Malente in der Holsteinischen Schweiz
23. Mai bis 31. Mai 2020
Covid 19 hat uns ja nun mächtig ausgebremst, unsere Cornwall-Reise im April ist komplett storniert und die eigentlich geplante Radreise von Innsbruck nach Bozen ebenso.
Als die Nachricht kam, dass Schleswig-Holstein sich öffnet, haben wir rasch gebucht; das Ziel „Malente“ stand ohnehin auf der Reiseliste. Schließlich haben wir ja über die Jahrzehnte alle „Immenhof-Filme“ auswendig gelernt und Paul Breitner bewundert, der aus dem Malenter Trainingslager (Vorbereitung zur WM) kippenrauchend abends mit dem Ziel Kneipe (egal welche) ausgebüchst war.
Gefunden haben wir das Haus „Dieksee-Eck“ mit einer schönen Zweizimmer-Wohnung und unweit vom gleichnamigen See.



Der See empfing uns in tollem Licht; der Aperol kam so richtig zur Geltung. Es blies ein heftiger Wind mit uns Mittelgebirglern unbekannter Stärke; er war so kalt, dass Aperol und Bier (hier nicht auf dem Bild)nicht warm werden konnte.


Sonntag, der 24. Mai 2020
Kalt und windig war es immer noch, als wir zur ersten Erkundung des Ortes aufbrachen; nun gut, mit den Rädern waren wir in 10 Minuten durch.
Der Weg endete am Kellersee in einer netten kleinen Hütte. Die Sonne kam raus, es wurde wärmer und das erste Fischbrötchen – passend dazu ein Flens -stand an.


Mittags sollte uns die erste Tour nach Hohwacht an der Ostsee führen. Mit Hohwach verbinden mich Kindheitserinnerungen, da die damaligen Urlaube mit dem Wohnwagen stets an die Ostsee führten.
Auf dem Weg dorthin wurden wir an die Heimat erinnert; der Hessensteinturm stand abseits des Weges.

Gebaut wurde dieser Aussichtsturm im 19. Jahrhundert vom Landgrafen Friedrich zu Hessen-Cassel , im Nebenberuf König von Schweden , er lebte u.a. auf Gut Panker.

Hohwacht präsentiert sich heute sehr unspektakulär. Für mich existieren Erinnerungen. In der „Wohnwagenzeit“ war die Familie Grein immer an der Ostsee; auch in Hohwacht. Erkannt habe ich nichts mehr. Ostsee bleibt Ostsee und die Bausünden der Siebziger sind immer noch vorhanden.

Los war nix am Strand. Man spürt wie der Tourismusbetrieb gaaaaaz langsam wieder anläuft. Es ist alles herrlich entspannt; so kennt man das aus touristischen Gebieten gar nicht mehr.
Der Tag ging sogar sonnig zu Ende.

Montag, der 25. Mai 2020
Heute haben wir die Räder auf´s Auto gepackt und sind Marzipanessen gefahren.
In den Lübecker Zunftrollen wurde „Martzapaen“ erstmals im Jahr 1530 erwähnt. Lübecker Marzipan ist eine von der EU geschützte geographische Herkunftsbezeichnung für Marzipan aus Lübeck und den angrenzenden Gemeinden Bad Schwartau und Stockelsdorf. Dass die Lübecker Marzipanhersteller per Selbstverpflichtung bestimmte Qualitätsgrundsätze (mindestens 70 % Marzipanrohmasse, höchstens 30 % Zucker) einhalten, ist für den Schutz des Begriffs nicht erheblich.
So, genug der Bildung.
Hüft- und umweltschonend vorausgedacht haben wir einfach außerhalb geparkt und sind mit den Rädern in die Innenstadt gefahren. Nun ja, die Altstadt ist alt und so auch der Bodenbelag überall. (hatte was von Paris-Roubaix)

Denkt man an Lübeck, denkt an an das Holstentor. Es wurde Mitte des 15. Jhr. auf morastigen Untergrund erbaut und seitdem stehen beide Türme schief. (also bitte keine Kommentare zum Foto, es ist so schief)

Links nebenan erkennt man die Türme der Marienkirche; mit 126 m und 125m Höhe waren die Türme viele Jahrhunderte lang die höchsten Kirchtürme Deutschlands.
Im Dom (Grundsteinlegung 12. Jhr) war die perfekte „Corona-Kirchenordnung“ zu bestaunen.

Schön auch die Salzspeicher an der Trave, das Heilig-Geist Hospital und die faszinierenden Gassen der Engelsgrube




Übrigens, an das Marzipan haben wir überhaupt nicht mehr gedacht; wir mögen nämlich beide kein Marzipan.
Dienstag, der 26. Mai 2020
Endlich: kein Wind und keine Wolke am Himmel; Zeit für eine gemütliche Radrunde nach Plön.
Am See unweit unseres Hauses steht ein kleiner Kiosk mit Aussenbewirtschaftung. Viel Mühe hat man sich mit der Kennzeichnung der Zuwege gemacht; unsere Nilganztruppe kapiert es halt nicht.

Am Dieksee entlang und durch herrliche Wälder – für den Laienblick auch sehr gesund – fährt man in Richtung Plön, natürlich am —–> Plöner See.



Plön wird beherrscht vom Schloß, heute – nach 500 Jahren wechselvoller Geschichte – gehört des der Firma Fielmann, die hier Optiker schult. Wer mehr über die Geschichte des Schlosses wissen will, bitte sehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Pl%C3%B6n#Residenz_der_Herz%C3%B6ge_von_Pl%C3%B6n


In der näheren Umgebung Plöns wurden zwei Windmühlen restauriert; eine davon ist die „Wagria“ in Grebin.

Klappern tut sie nicht mehr; dafür beherbergt Sie heute das Lokal „To’n Windbüdel“. Heute dreht sich hier also alles um Windbeutel und wenn schon kein Marzipan, dann halt einen (!!, nicht zwei) Windbeutel. Ich sage es: ein Teufelszeug, vor allem mit viel roter Grütze, sehr viel Vanilleeis und extrem viel Schlagsahne.

Auch hier war übrigens die Umsetzung der Corona-Vorschrift genial geregelt: es darf ja immer nur eine Person auf die Toilette.

Warum heisst es eigentlich holsteinische Schweiz: weil es ziemlich hügelig ist und es sogar auch Weinberge gibt.

Es war eine wunderschöne Radrunde mit vielen Eindrücken bei herrlichstem Wetter.

Mittwoch, 27. Mai 2020
Wir sind heute nach Kiel gefahren; eine Stadt mit eher sub-optimaler Schönheit. Kiel war schon seit langer Zeit der wichtigste Marinestützpunkt der Marine und hatte entsprechend im Weltkrieg gelitten. Es stand wohl 1945 kein Stein mehr auf dem anderen und die Baukünste der Nachkriegszeit waren eher schneller und praktischer Natur.
Ein wenig interessant ist die Kieler Schleuse des Nord-Ostseekanals; na ja, so interessant wie das Volllaufen eines Schleusentrogs halt so sein kann.


Mit dem Rad ging es dann die „Kiellinie“ (eine kilometerlange Promenade entlang der Förde) wieder in Richtung Innenstadt mit dem Höhepunkt des Tages, einem Krabbbenbrötchen.


Ein letzter Blick auf die Kulisse.

Pflichtprogramm in der Gegend ist Laboe mit seinem Ehrenmal in Form eines Schiffsbugs, erbaut 1936.



Wenngleich in der Eingangshalle ausdrücklich alle weltweit auf See gestorbenen Marinesoldaten betrauert werden, habe ich während des gesamten Besuchs darüber nachgedacht, ob man hier nicht allzusehr auf die deutsche U-Boot Tradition Bezug nimmt. Ein Urteil überlasse ich dem Leser.
Jedenfalls kann man ganz in der Nähe ein U-Boot besichtigen. Eigentlich war ich zu korpulent dafür, habe aber überall noch durchgepasst.


…………………und wie es der Zufall wollte……………………….

Donnerstag, der 28. Mai 2020
Heute „plönt“ es; von Plön radeln wir um den Plöner See, um am Ende der Runde einen sehr schönen Blick auf Schloss Plön zu haben.
Bequem überbrücken wir die Strecke zwischen unserer Unterkunft und Plön.

Der Tag wird sich nach folgender Farbenlehre aufteilen:

Das architektonisch/geschichtliche Highlight erreichten wir schon nach wenigen Kilometern. Die Feldsteinkirche St. Petri wurde vom Bischof Vicelin 1152 erbaut. Damit war es wahrscheinlich auf ewig der kleinste Bischofssitz der Welt gewesen sein.

Die Strecke war Natur pur; ein paar Impressionen:




Plöner See Runde Ende

Es war ja ganz nett; die Strecke wird auch sehr vom Tourismus-Büro beworben. Auf die 37 Km fanden wir aber keine einzige nette Restauration (vielleicht noch Corona, in den kleinen Orten war viel zu) und teilweise gab es ätzende Wegstrecken. Ausser Landschaft und dem Kirchlein gab es nichts zu sehen und ziemlich hügelig (in Kombination von schlechten Wegen) war es auch noch.
In Plön gab es dann doch noch die Belohnung
Freitag, der 29. Mai 2020
Heute tauschen wir harte Ledersättel gegen weiche VW-Polster; wir wollten mal wie die Vögel fliegen.
Vor dem Flug haben wir uns Heiligenhafen angeschaut, einen ziemlich angesagten Ostseebadeort.
Hier war es zum ersten Mal ziemlich voll.
Eine alte Dame – Aufpasserin im netten Ortskirchlein – klagte herzzerreissend über die vielen Surfer, die letztes Wochenende im Ort eingefallen sein. In die DDR hätten sie ja nicht reingedurft (sie meinte die mecklenburgerische Ostseeküste und die war ja vergangene Woche für Tagestouristen gesperrt). So wären sie alle nach Heiligenhafen gekommen und hätten alles zugeparkt. Abschleppwagen hätten sie ja auch nicht in Heiligenhafen. (gut zu wissen)
Wir sind sehr ernst geblieben.
Von Heiligenhafen ist dann nicht mehr weit zum Fliegen; auf der Vogelfluglinie über die Fehmarnsundbrücke auf die Insel Fehmarn. Die Brücke wurde bereits 1963 vom König Frederik IX (kenne mer net) und unserem altbewährten Heinrich Lübke (kenne mer) eingeweit und ist heute – 57 Jahre später – in einem desolaten Zustand. Tempo 30 ist angesagt und Züge fahren überhaupt nicht mehr. Man will ja eigentlich einen Tunnel bauen, aber………
Burg auf Fehmarn ist ein nettes Städtchen im Backsteinstil mit auch für Fussgänger grenzwertigem Kopfsteinpflaster.
Auf der Heimfahrt in das inzwischen auch deutlich mehr bevölkerte Malente kamen wir am 1256 gegründeten Kloster Cismar vorbei; ein Ort der Ruhe und der Entspannung.
Dabei entstehen ja manch spaßige Ideen.
Samstag, der 30. Mai 2020
Wir haben was gelernt. „Moin moin“ sagt man nicht, das sei Gesabbel“. Man sagt nur „moin“ und das den ganzen Tag. Es sei so; ist ja auch sparsamer.
Am letzten Tag war nochmal Sattel angesagt; einmal rum um den Selenter See; 25 Km, nur wenig Höhenmeter; Genuß also- Der See liegt ein wenig abseits des Geschehens und entsprechend ruhig war es.
Es ging auf schönen Wegen einmal rum.
Am Ende der Reise lag Eutin eine Stadt, in dem man auch Filme aus dem 17. Jahrhundert drehen könnte. Mitten drin das Schloß.
……und nun noch zwei Geschichten, über die wir – Malente betreffend – noch gar nicht gesprochen haben.
Erinnern Ihr Euch an Dick und Dalli, die Trippel-Trappel-Ponys, den Stallburschen Hein Daddel, Oma Jantzen und Tierarzt Dr. Pudlich? Der Immenhof war in den 50 er Jahren Schauplatz der beliebten Immenhof-Filme. Zwischen 1955 und 1957 wurden hier „Die Mädels vom Immenhof“, „Hochzeit auf Immenhof“ und „Ferien auf Immenhof“ gedreht.
Alle anderen Immenhoffilme und TV-Serien wurden nicht mehr in Malente gedreht. Das Gut selbst wird schon seit ein paar Jahren umgebaut zu einer Ferienresidenz.
………………….tief einatmen, der Geist von……..
Es war der 22. Juni 1974, als DDR-Spielmacher Jürgen Sparwasser mit seinem Tor zum 0:1 Gastgeber Deutschland bei der Fußball-WM 1974 aus allen Träumen riss. Elf Minuten vor Spielende wurde der große Favorit Deutschland von der DDR gestoppt. Mit gesenkten Köpfen kehrte die Nationalmannschaft in das Trainingslager und WM-Quartier nach Malente zurück.
Helmut Schön, wie Zeitzeugen aus früheren Tagen berichten, wollte den Trainerposten noch während des Turniers aufgeben. Libero Franz Beckenbauer überredete ihn aber, weiter zu machen. Das Ergebnis ist bekannt, Deutschland wurde 1974 Weltmeister und der „Geist von Malente“ war geboren.
Achtung, jetzt kommt der Klugscheisser: Jürgen Sparwasser lebt heute in Bad Vilbel, sein Trikot vom damaligen Spiel hängt im „Haus der Geschichte“ in Bonn.
Die Aufstellung der BRD:
Sepp Maier – Franz Beckenbauer- Berli Vogts – Georg Schwarzenbeck – Paul Breitner – Uli Hoeness – Bernhard Cullmann – Wolfgang Overath – Jürgen Grabowski – Gerd Müller Heinz Flohe, Trainer Helmut Schön
So, das war`s. Wir hoffen, es hat Euch etwas Spaß gemacht, von unserem ersten Covid 19-Urlaub zu lesen.
Ich mag die Gegend 🙃
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Sieht nach schönen Tagen rund um die Holsteiner Seenplatte aus. Macht so weiter und kommt gut zurück.
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Sehr schön 😊
Bisschen wie früher – Heimatkunde
Danke Uli, ich fühle mich ganz zu Hause
Birgit
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… das ist , morgen sind wir mit dem Auto unterwegs 😎
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Tolle Idee! Gibt Anregungen mal woanders vorbei zu schauen.
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Hallo, ich bin dabei!
LG Siegfried
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Mit euren neuen Rädern kommt ihr ja ziemlich rum. Wir sind letzten Mittwoch ein Stück eurer Loire-Tour von Chenonceau in Richtung Blois abgefahren – das ging teilweise ordentlich bergauf. Morgen geht’s übers Elsass zurück nach F. Tipp fürs Kopfsteinpflaster: nur ca. drei Bar auf die Reifen, das reduziert die Kopfschmerzen.
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…. und wer pumpt anschließend die Reifen wieder auf? 😇😇😇😇
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Da kommt mir einiges bekannt vor!
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Wunderbar, ich reise absift mit!
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Mit euren neuen Rädern kommt ihr ja ziemlich rum. Wir sind letzten Mittwoch ein Stück eurer Loire-Tour von Chenonceau in Richtung Blois abgefahren – das ging teilweise ordentlich bergauf. Morgen geht’s übers Elsass zurück nach F. Tipp fürs Kopfsteinpflaster: nur ca. drei Bar auf die Reifen, das reduziert die Kopfschmerzen.
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Sehr schöne Impressionen! Wünsche Euch weiter eine schöne Zeit bei unseren Nachbarn.
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Sehr schöne Bloggerarbeit😘😘 ich freue mich jeden Tag von unserem Urlaub zu lesen und schon neue Bilder zu sehen!! Mach weiter so!! I love you!!
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Tolle Blog von eun schöne Reise. Thanks for sharing.
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Ja, Uli, seit wann fahrt ihr denn mit Gepäck? Da sind ja prall gefüllte Taschen am Rad?!
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… und wir dachten, ihr wärt nach Andaluz gefahren, um endlich mal zu normalen Zeiten zu essen
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wieder ein schöner Reisebericht, danke dafür: Tapas ole. Und UD Almeria schlagen sich bisher ganz gut in La Liga, im Mittelfeld. Mal sehen wie die Eintracht sich heute schlägt, aber wenn der Adler schon stolz am Cabo gezeigt wird, muss es klappen.
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Alles in Ordnung? Heute nix gemacht? Der 13. September ein verlorener Tag?
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